Brandabschottung für Kabel und Rohre: Prüfung und Instandsetzung nach MLAR und DIN 4102
Damit Brandabschnitte auch an Durchbrüchen dicht bleiben
Jede Kabeltrasse und jedes Rohr, das durch eine Brandwand oder eine feuerbeständige Decke läuft, hinterlässt dort eine Schwachstelle. Eine Brandabschottung verschließt diese Öffnung so, dass sie denselben Feuerwiderstand erreicht wie das Bauteil selbst.
Die meisten Mängel entstehen nicht beim Neubau. Sie entstehen Jahre später, wenn Kabel nachgezogen werden oder ein Schott für eine neue Leitung geöffnet und danach nicht mehr fachgerecht verschlossen wird.
Was ist eine Brandabschottung?
Eine Brandabschottung, auch Brandschott oder Brandschutzabschottung genannt, ist ein geprüftes System, das Leitungsdurchführungen in Wänden und Decken feuer- und rauchdicht verschließt. Sie gehört zum baulichen Brandschutz. Ein Brandabschnitt bleibt dadurch auch dort geschlossen, wo Kabel, Rohre oder ganze Kabeltrassen hindurchführen.
Viele Systeme arbeiten mit intumeszierenden Baustoffen. Diese schäumen bei Hitze auf und füllen den Raum, den ein schmelzendes Kunststoffrohr oder eine abbrennende Kabelisolierung freigibt.
Typische Feuerwiderstandsklassen:
- S 30 bis S 90: Kabelabschottungen nach DIN 4102-9
- R 30bis R 90: Rohrabschottungen nach DIN 4102-11
Europäisch klassifizierte Systeme tragen die Bezeichnung EI 30 bis EI 90 nach DIN EN 13501-2. Die Zahl steht jeweils für die Feuerwiderstandsdauer in Minuten. Maßgeblich ist, dass die Abschottung mindestens die Feuerwiderstandsklasse der Wand oder Decke erreicht, in der sie sitzt.
Arten von Brandabschottungen
Welches System passt, hängt von der Leitungsart, der Größe der Öffnung und dem Bauteil ab. Entscheidend ist, dass das Schott für genau diese Einbausituation zugelassen ist.
Kabelabschottungen
Rohrabschottungen für brennbare Rohre
Kunststoffrohre schmelzen im Brandfall und hinterlassen ein offenes Loch in der Wand. Brandschutzmanschetten und Brandschutzbandagen verhindern das. Ihr Einlagematerial schäumt auf, drückt das erweichte Rohr zusammen und verschließt den Querschnitt.
Rohrabschottungen für nichtbrennbare Rohre
Metallrohre brennen nicht, leiten aber Wärme. Ohne Abschottung kann sich Material auf der anderen Seite der Wand entzünden. Rohrschalen aus Mineralwolle in der vorgeschriebenen Länge begrenzen die Wärmeübertragung.
Kombiabschottungen
Laufen Kabel und Rohre durch dieselbe Öffnung, verschließt ein Kombischott beide Leitungsarten in einem System. Das spart Durchbrüche, verlangt aber eine genaue Einhaltung der Mindestabstände aus der Zulassung.
Wann ist eine Brandabschottung notwendig?
Immer dann, wenn Leitungen durch Wände oder Decken geführt werden, die einen Feuerwiderstand haben müssen. Dazu zählen Brandwände, Trennwände zwischen Nutzungseinheiten, Geschossdecken sowie die Wände notwendiger Flure und Treppenräume. Grundlage ist § 40 der Musterbauordnung in Verbindung mit der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR), die über die Landesbauordnungen in allen Bundesländern gilt.
Erleichterungen gibt es für Wohngebäude der Gebäudeklassen 1 und 2 sowie für einzelne Leitungen mit kleinem Durchmesser. Ob eine solche Ausnahme greift, lässt sich nur am konkreten Bauteil beurteilen.
Vorschriften und Normen für Brandabschottungen
Die Pflicht zur Abschottung ergibt sich aus dem Bauordnungsrecht. Die technischen Anforderungen an die einzelnen Systeme stehen in den Normen und in den Verwendbarkeitsnachweisen der Hersteller:
- § 14 und § 40 Musterbauordnung (MBO) sowie Landesbauordnungen (LBO)
- Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR), Abschnitt 4
- DIN 4102-9: Kabelabschottungen
- DIN 4102-11: Rohrabschottungen, Rohrummantelungen und Installationsschächte
- DIN EN 1366-3: Feuerwiderstandsprüfungen für Abschottungen
- DIN EN 13501-2: Klassifizierung nach dem Feuerwiderstand
- Allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) oder Europäische Technische Bewertung (ETA) des jeweiligen Systems
Nach dem Einbau bestätigt der ausführende Fachbetrieb mit einer Übereinstimmungsbestätigung (früher Übereinstimmungserklärung), dass das Schott der Zulassung entspricht. Neben jede Abschottung gehört außerdem ein Kennzeichnungsschild.
Wie oft müssen Brandabschottungen geprüft werden?
Wer ist für Brandabschottungen verantwortlich?
Verantwortlich ist der Betreiber beziehungsweise Eigentümer des Gebäudes. Der Betreiber muss sicherstellen, dass Abschottungen fachgerecht hergestellt und nach jedem Eingriff wieder verschlossen werden.
Das betrifft ausdrücklich auch die Arbeit anderer Gewerke. Zieht ein Elektro- oder Sanitärbetrieb neue Leitungen durch ein bestehendes Schott, sollte schon vor Arbeitsbeginn feststehen, wer den Verschluss anschließend wiederherstellt.
Wer darf Brandabschottungen herstellen und prüfen?
Brandabschottungen gehören in die Hände sachkundiger Fachbetriebe, die das jeweilige System kennen und für den Einbau geschult sind. Der Grund ist auch rechtlicher Natur. Wer ein Schott einbaut, bestätigt schriftlich, dass es der Zulassung entspricht, und haftet im Brandfall für Ausführungsfehler.
Die Prüfung bestehender Abschottungen setzt Kenntnisse der MLAR und der Verwendbarkeitsnachweise voraus.
Was passiert bei fehlenden oder beschädigten Abschottungen?
Eine offene Abschottung wirkt im Brandfall wie ein Kamin. Feuer und Rauch gelangen durch den Spalt in den nächsten Brandabschnitt. Ein Flur, der eigentlich rauchfrei bleiben sollte, kann dann schon vor dem Eintreffen der Feuerwehr unpassierbar sein.
Werden Mängel bei einer Brandschau oder Begehung festgestellt, drohen behördliche Auflagen bis hin zur Nutzungsuntersagung. Im Schadensfall prüfen Sachversicherer außerdem, ob der Betreiber seine Pflichten erfüllt hat, und kürzen bei Verstößen die Leistung.
Häufige Fragen zur Brandabschottung
Brauche ich für ein einzelnes Kabel eine Brandabschottung?
Nicht zwingend ein zugelassenes Schottsystem, aber immer einen fachgerechten Verschluss. Die MLAR erlaubt für einzelne Leitungen Erleichterungen, wenn der Ringspalt vollständig mit nichtbrennbarer Mineralwolle (bis 50 mm) oder mit aufschäumenden Baustoffen (bis 15 mm) verschlossen wird.
Dürfen Kabel nachträglich durch ein bestehendes Brandschott gezogen werden?
Ja, sofern das System eine Nachbelegung zulässt und das Schott danach wieder gemäß Zulassung verschlossen wird. Weichschotts und Kittschotts sind dafür ausgelegt, Mörtelschotts in der Regel nicht.
Was muss auf dem Kennzeichnungsschild eines Brandschotts stehen?
Das Schild nennt den Errichter, die Systembezeichnung, die Nummer der Bauartgenehmigung oder ETA und das Herstellungsjahr. Es wird gut sichtbar neben der Abschottung angebracht.
Ist Bauschaum als Brandabschottung zulässig?
Nein. Handelsüblicher PU-Montageschaum ist brennbar und hat keine Zulassung als Brandabschottung. Zulässig sind nur Brandschutzschäume mit gültigem Verwendbarkeitsnachweis.
Ist ein Brandschott wasserdicht?
Nicht automatisch. Brandschotts sind auf Feuer- und Rauchdichtheit geprüft, nicht auf Wasserdichtheit. In Kellerwänden oder bei drückendem Wasser braucht es eine zusätzliche Abdichtung, die mit dem Schottsystem verträglich ist.
Brandabschottung prüfen lassen
Wir prüfen und erneuern Brandabschottungen deutschlandweit sowie im angrenzenden europäischen Ausland.
Carsten Schwan
Geschäftsführer, Brandschutzbeauftragter,
Brandschutztechniker, Betriebswirt (HWK)
Karl Heinz Metzinger
Geschäftsführer, Installateur- und Heizungsbauermeister, Fachplaner für den vorbeugenden Brandschutz, Fachplaner für den gebäudetechnischen Brandschutz, Brandschutzbeauftragter, Brandschutztechniker
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